05.05.2022 / Agenda Neubau

Vogel-Spaziergang in Neubau

Was brauchen Vögel?

Brutplätze und ein entsprechendes Nahrungsangebot im Umfeld des Brutplatzes! Unser Exkursionsleiter Wolfgang Kantner von Birdlife hat das mit den Bedürfnissen von uns Menschen verglichen: Haben wir zwar eine Wohnung, aber keine Möglichkeit uns im Umfeld der Wohnung mit Essen zu versorgen, klappt es nicht. Und umgekehrt auch nicht. D.h. sowohl Brutplatz als auch Nahrungsangebot müssen vorhanden sein, damit für das Leben der Vögel gesorgt ist.

 

Welche Vögel leben im 7. Bezirk?

Hier im Bezirk finden wir Vogelarten, die als „Kulturfolger“ gut an das Leben im Stadtgebiet angepasst sind:

Der Haussperling („Spatz“) etwa ist ein Städteliebhaber. Für ihn ist wichtig, dass er im Umfeld seines Brutplatzes die Samen wildwachsender Gräser und Kräuter findet. Hat er Junge, sind Insekten als Aufzuchtnahrung unverzichtbar! Spatzen brüten vor allem in Nischen und Höhlen an Gebäuden. Leider gehen gerade diese Brutplätze bei Renovierungen und Sanierungen häufig verloren, indem sie verputzt oder verschlossen werden. Vogelfreund*innen beachten das und erhalten die Nistplätze oder schaffen mit einfachen Maßnahmen Ersatznistplätze am Haus. In die glatten Fassaden von Neubauten kann man Brutmöglichkeiten auch baulich integrieren, siehe Haussperlinge: Gesellig in der Stadt - Tiere an Gebäuden - Architektur und Bauen (wien.gv.at).  Von entscheidender Bedeutung für die Spatzen sind außerdem Versteckplätze in dichten Hecken oder in Kletterpflanzen, wo sie dann sehr zahlreich in Gruppen zu finden sind. Bei unserem Spaziergang haben wir zwei Spatzenkolonien entdeckt, einerseits in einem Hof mit Fassadenbegrünung in der Neubaugasse und andererseits im Andreaspark. Nach dem Wiener Naturschutzgesetz gehört der Haussperling zu den geschützten Tierarten, denn leider gehen die Bestände des geselligen Vogels zurück. Wer von einer Haussperling-Kolonie weiß, soll diese deshalb auch an die MA22 (service@ma22.wien.gv.at) melden.

Wer in den Parks und Höfen in Neubau einen melodisch klingenden Vogelgesang hört, hat oft eine Amsel - oder besser einen Amselhahn – in seiner Nähe. Der Vogel mit der schönen Singstimme hat sich ebenfalls eng an den Menschen angeschlossen. Amseln brüten mitten in der Stadt, zuweilen ganz „ungeniert“ in Pflanzentrögen auf Terrassen oder Balkonen, wo man sie bis zum Ausfliegen der Jungen natürlich möglichst ungestört lassen soll. Zur Nahrung der Amseln zählen Würmer, Schnecken und andere meist bodenlebende Kleintiere, die sie v.a. unter liegen gebliebenem Laub finden können. Nach der Brutzeit gewinnen Beeren und Früchte an Bedeutung, etwa von Efeu, Wildem Wein oder Brombeere und anderen Beerensträuchern. Bei der Vogelfütterung bedienen sich Amseln gerne an Äpfeln, Haferflocken und Rosinen, die sie am liebsten von einer Bodenfutterstelle picken.

Recht einzigartig in Wien ist, dass im gesamten Stadtgebiet ganze neun verschiedene Spechtarten brüten. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie brauchen alte Bäume, in die sie ihre Höhlen bauen können. Bei unserem Spaziergang durch Neubau konnten wir im hinteren Bereich des Siebensternparks einen Buntspecht beobachten. Ein Spechtvorkommen ist also auch ein Zeichen für einen wertvollen Baumbestand, den es zu schützen gilt.

Auch Kohlmeisen haben wir im Andreaspark und Siebensternpark entdeckt, wo sie z.B. in Baumhöhlen brüten. Grundsätzlich nehmen Meisen aber auch Nistkästen sehr gerne an, die sie nicht nur als Brut- sondern auch als Schlafplatz im Winter nutzen. Meist sind die unverkennbar gezeichneten Vögel auf der Suche nach Insekten wie Raupen oder Spinnen. Nach der Brutzeit fressen sie auch Samen und Nüsse, wofür sie gerne auch ans Futterhäuschen kommen. Die Kohlmeise wurde bei der „Stunde der Wintervögel 2022“, Österreichs größtem Citizen Science Projekt, am häufigsten gesichtet – sowohl in Wien wie auch in ganz Österreich. 

Nach Haussperling, Kohlmeise, Amsel und Mönchsgrasmücke sind Taubenvögel die häufigsten Vögel in Wien. Gelernt haben wir bei unserem Spaziergang auch ein interessantes Detail zu den Krähen in Wien: während die Rabenkrähe im Westen der Stadt blieb und wie der Name sagt, rabenschwarz ist, lebt die Nebelkrähe im Osten und ist auf Bauch und Rücken grau. Quer durch Europa zieht sich nämlich ein Streifen, westlich dessen es nur Rabenkrähen, östlich dessen es nur Nebelkrähen gibt. Und genau in Wien stoßen die beiden Gruppen aufeinander! Hier verpaaren sie sich miteinander und deswegen sieht man bei uns hauptsätzlich Hybriden, also Jungtiere mit Nebel- und Rabenkräheneltern.

Viele weitere spannende Infos findest Du hier bei Birdlife: Homepage | Birdlife Österreich oder der Umweltberatung: Geschützte Tiere an Gebäuden (umweltberatung.at)

 

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