05.04.2023 / Agenda Neubau

Spaziergang Artenvielfalt in Neubau

Ein Spaziergang durch den Bezirk mit der Wiener Umweltschutzabteilung

Die Agendagruppe „Draussen in Neubau“ hat mit dem Experten Manfred Schönwälder von der MA 22 (Wiener Umweltschutzabteilung) das Lebensraum-Potenzial zwischen Dorothea-Neff-Park und Andreaspark gesucht bzw. untersucht. Zwischen den beiden Parks könnte künftig ein zusammenhängender Öko-Parkverbund entstehen, eine große Erholungs- und Aufenthaltsfläche für alle Neubauer*innen, in der sich Kinder ungefährdet bewegen können. Ein besonderes Augenmerk soll hier auch auf die Förderung der Artenvielfalt (Biodiversität) gelegt werden.

 

Wie steht es eigentlich um die Biodiversität in diesem Stadtteil?

 

Grundsätzlich gilt: Im dicht verbauten Gebiet einer Stadt zu leben, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man fern der Natur ist. Wer Augen und Ohren offen hält, wird auch am Neubau Tiere und Pflanzen entdecken, die hier ihren Lebensraum bezogen haben. 

Alle Lebewesen in Neubau, ob Tiere oder Pflanzen, sind „Allerwelts-Arten“ oder eleganter gesagt: Ubiquisten. Darunter versteht man Tier- oder Pflanzenarten, die zumindest in einem Teil ihres Verbreitungsgebietes auch artenarme Flächen, die stark durch menschliche Nutzung geprägt sind, besiedeln können. Drei Grundkonstanten sind für Tiere jedoch unabdinglich: Nahrung, Verstecke und (Nist)Plätze für den Nachwuchs.

 

Jetzt im Frühling erfüllt Vogelgesang die Neubauer Luft – Spatzen, Meisen, Amseln, Stieglitze und natürlich Tauben, aber auch Falken und Krähen gehören zu den auffälligen tierischen Bewohnern im Bezirk. Ihre wichtigste Nahrungsgrundlage sind Insekten und ihre Larven. Eine saftige Heuschrecke wird sogar von Falken nicht verschmäht.

 

Dass es diese Insekten gibt, ist leider immer weniger selbstverständlich (Stichwort Insektensterben). Auch sie leiden unter Bodenversiegelung und Nahrungsmangel.  Unter den Insekten sind es fast nur die geflügelten Arten, die die Barrieren von Straßen und Hausmauern überwinden können: etwa Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Ohne Nachtfalter, von denen es übrigens rund 20x so viele gibt wie Tagfalter, hätten wir zum Beispiel keine Fledermäuse. Die Nachtinsekten machen generell den Großteil der Insekten-Biomasse aus.

 

Vegetation ist die Lebensgrundlage - so auch in unserem Bezirk.

  • Da sind zuerst die rund 660 Straßenbäume - von Ahorn bis Zürgelbaum.
  • Privatgärten und Parks steuern weiteres Grün bei. Gerade die vom Menschen weniger intensiv genutzten und daher ruhigeren Bereiche in Parks bieten begehrte Rückzugsräume für die Tierwelt.
  • Auch Dach- und Fassadenbegrünungen sind in diesem Zusammenhang wichtige Flächen, die auch den Insekten Lebensraum bieten und die Neubauer Parks gut ergänzen.
  • Und nicht zuletzt gibt es Staudenbeete und Baumscheiben. Gerade die Baumscheibenvegetation erfüllt im Zusammenspiel mit den Bäumen eine wichtige biologische Rolle. Ein Beispiel: Schmetterlingsraupen lassen sich vom Baum fallen um sich zwischen den Halmen und Blättern rund um den Stamm einen Platz zum Verpuppen zu suchen. Ein Potenzial zur Förderung der Artenvielfalt bietet in dem Zusammenhang auch der Boden: ein offener Boden, der nicht durchgängig mit Mulch oder Kies bedeckt ist, unterstützt das Bodenleben und bietet etwa Wildbienen einen geeigneten Lebensraum.
  • Pflanzen im Straßenraum, zwischen "Häuserschluchten" müssen schon sehr flexibel und widerstandsfähig sein, um hier zu überleben bzw. sich überhaupt anzusiedeln. Diese sogenannte Spontanvegetation ist in der Stadt eine große Chance für den Artenschutz.

 

Beim Spaziergang haben wir schon einige Ideen entwickelt, wie wir die Natur im Bereich des angedachten Parkverbundes unterstützen können. Welche Ideen dies konkret sind, berichten wir in Kürze hier im Blog.